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Das Dunkel der Nacht umhüllt meine Stadt.
Mein Blick fällt aus dem Fenster der spärlich besetzten S-Bahn hinaus auf die beleuchteten Straßen.
Das hektische Treiben, das Leben scheint aus den Adern meiner Stadt gewichen zu sein.

Hin und wieder kreuzt ein Auto den Weg der Bahn.
Ihre Lichter erhellen die Straßen, die Häuserwände, die Graffiti an ihnen...
man erkennt die Regentropfen die zu Boden gehen im Licht der Scheinwerfer.
Einige Tropfen schlagen gegen das Fenster an dem ich sitze.
Langsam folgen meine Augen ihnen wie sie durch den Fahrtwind kleine Flüsse bilden und zur Seite laufen.
Einige Tropfen kreuzen ihre Wege, andere vereinigen sich und setzen ihren Weg gemeinsam fort um am Rand des Fensters im nichts zu verschwinden.
Eine Analogie zu uns Menschen drängt sich mir unwillkürlich auf.
Wir gehen durchs Leben, hinterlassen unsere Spuren, vielleicht in der Hoffnung das ihnen jemand folgt.
Wir kreuzen die Wege anderer Menschen, einige gehen einfach vorbei, andere bleiben für kurze Zeit und die wenigsten bleiben für immer, gehen die Wege bis zum Ende mit.
Bis wir am Rande verschwinden, wie die Regentropfen.
Ein Ruck der S-bahn, die zu scharf in die Kurve geht, reißt mich aus meinen Gedanken.
Langsam, noch bevor die Ansage der nächsten Haltestelle erklingt erhebe ich mich von meinen Sitz und gehe Richtung Tür.
Auch ohne Ansage weiß ich vor welcher Haltestelle ich mich befinde.
Ich in die Strecke so oft gefahren das ich jede Kurve, jede Unebenheit der Schienen, jeden Ruck der S-bahn auf ihrer Fahrt durch meine Stadt kenne.
Ich stelle mich an die Tür und für 2-3 Sekunden betrachte ich mein Spiegelbild das sich im Glas der Tür spiegelt.
Im Hintergrund erklingt die Ansage mit den Namen der Haltestelle.
Ich nehme es nur unterbewusst war und betrachte immer noch die schwarz gekleidete Gestalt im Ledermantel die mich anzustarren scheint.
Noch bevor sich ein Eindruck in meinen Gedanken festsetzen kann bremst die S-Bahn ab und hält an.
Mit einem Zischen öffnet sich die Tür und ich trete hinaus.
Meine Blicke gehen schnell hin und her, beobachten die Senarie die sich meinen Augen bietet.
Ein Penner liegt im Schlafsack auf den Sitzen der Haltestelle.
Solange ich hier lebe schläft er schon hier, und wahrscheinlich schlief er schon lange zu vor hier.
… Das Leben kann so einfach und dennoch erfüllt sein, wenn man dies will – oder man mit dem zufrieden ist was einem das Leben gibt. Ich wollte schon immer mehr als das was mir das Leben angeboten hatte...
Ich wende meine Augen nach oben, betrachte die Kirche die direkt an der Haltestelle liegt.
Ihr hoher Turm und ihre spitzen Zinnen heben sich scharf ab, stechen selbst im Dunkel der Nacht hervor.
Zusammen mit dem schwach beleuchteten Figuren der Wasserspeier wirkt die Kirche unheimlich.
Der Wind lässt das Tor, das zu ihrem kleinen Park an der Seite führt, quietschend auf und zu schlagen.
Ein Hauch von Gänsehaut legt sich über meinen Rücken.
Die Kirche wirkt mehr wie ein kleines Spukschloss.

Hinter mir ertönt kurz 2 mal hintereinander ein Pfeifton.
Dann höre ich wie sich die Türen der S-bahn schließen, ihre Motoren anlaufen und sie weiter fährt.
Erst jetzt bemerke ich den Regen de auf mich hin abtropft.
Ich hatte ihn fast vergessen.
Ich lege meinen Kopf in den Nacken, schließe die Augen und genieße die Kühle der Tropfen die auf mein Gesicht nieder gehen.
Der frische Geruch des Regens vermischt sich mit den üblichen Gerüchen einer Großstadt und hinterlässt einen eigentümlichen Eindruck.
Andächtig senke ich wieder meinen Kopf und öffne die Augen.
Meine rechte Hand fährt in die Innenseite meines Mantels, greift nach einer Zigarillo und meinen Feuerzeug.
Ich bin nicht wirklich Raucher, auch wenn ich einen Hang zu Zigarillos habe.
Gemütlich zünde ich sie an, nehme einen Zug und gehe gemächlichen Schrittes meinem Ziel entgegen.
Es liegt mir direkt gegenüber, auf der andere Straßenseite, in der Reihe von Geschäften unter dem Überbau.
Die Reklamen der Geschäfte brennen noch, fordern mich auf hier einzukaufen.
Auf der Ecke hat die kleine Stehpizzaria noch geöffnet.
Eine kleine Ansammlung von Menschen steht davor.
Sie Essen, Lachen, Rauchen...
Besucher einer kleinen Bar die auch mein Ziel ist.
Wir nicken uns kurz zu als ich an ihnen vorbei gehe.
Man kennt sich.
Kurz hinter ihnen bleibe ich stehen
Eine Treppe und eine Tür, am Ende der Treppe, wartet auf mich, läd mich ein die Stufen hinabzusteigen und durch die Tür zu treten.
Vor gut einem Jahre wurde ich auf diese kleine Bar aufmerksam.
Es hieß man würde dort einen auf der Welt einmaligen Kick erleben, das alle Wünsche erfüllt werden... und dies alles umsonst.
Diese Beschreibung klang in meinen Ohren wie die eines Bordells.
Ich könnte heute nicht mehr sagen was mich wirklich hier her drängte, wahrscheinlich war es meine ungebändigte Neugier.
Mittlerweile weiß ich das kein Bordell dieser Welt mit dieser kleinen Bar mithalten kann. Wobei ich annehme das der Inhaber der Bar auch an den Bordellen unserer Welt seinen Anteil hat, an allen Bordellen auf der Welt um genau zu sein.
Ich schüttle diese Gedanken ab und lasse in meinem Kopf ein Bild dieses Abends entstehen.
Ich werde durch diese Tür treten, mich umschauen, mir einen Jacky-Cola greifen, dann setze ich mich an die Bar und spiele Poker mit dem Inhaber.
So ungefähr wird dieser Abend ablaufen.
Langsam, aber selbstsicher gehe ich die Treppe hinab. Mein Mantel streift dabei über die Stufen.

Mein Blick fällt nach unten auf die Tür, ihr schwarzer Rahmen glänzt Matt im schwachen Licht der Beleuchtung.
Vor ihr steht ein finster drein blickender Türsteher der mit einigen neuen Besucher redet.
Ich nicke ihm im vorbeigehen zu und höre wie er ihnen die Regel erklärt.
„Wer neu ist muss spielen“
Es ist die einzige Regel die hier gilt und sie hat einen Haken.
Mit einem leichten lächeln auf den Lippen öffne ich die Tür.
Noch bevor ich wirklich durch sie getreten bin wird meine Nase mit der einmaligen Geruchsmischung von Alkohol und Zigarettenrauch erfüllt.
Für einige Sekunden bleibe ich in der Tür stehen, überfliege das Bild das sich mir bietet.
Es ist eine bar mit einem interessanten Ambiente und wie immer bemerke ich die ungewöhnlich wärme die hier herrscht.
Die Farbe der Wände ist einer Mischung aus Schwarz und Rot gehalten.
In den Wänden selbst befinden sich kleine Logen mit Vorhängen.
Einige sind zugezogen, andere nicht.
Bilder mit Motiven des Armageddons schmücken die Wände zusätzlich. Satans Legionen tragen in ihnen den Sieg davon und Satan selbst sitzt auf Gottes Thron.

Ich wende meine Augen ein wenig nachdenklich von ihnen ab, und blicke zum Tresen.
Ein großer Tresen, reich verziert mit kunstvoll geschnitzten Bildern.
Am Anfang des Tresen steht ein Stützbalken der in Form eines Baumes von der Decke bis zum Boden reicht. Seine Äste gehen über den Tresen hinweg und überdecken ihn.
Ein Spiegel hängt hinter ihm an der Wand.
Er wirft die Momente die sich in ihm spiegeln zurück in meine Augen.
Kurz bleiben sie auf ihm haften.
Spiegel haben die unangenehme Eigenschaft die Wahrheit zu zeigen, wenn man sie denn sehen möchte.
Schnell vertreibe diesen Gedanken aus meinem Kopf und gehe zur Garderobe.
Ich hole meine restlichen Zigarillos, mein Feuerzeug und ein kleines Päckchen, nicht größer als eine skatkarte, aus der Seitentasche meines Mantels.
Dann gebe ich ihn ab, stecke alles in die linke Innenseite meines Fracks.
Bevor ich die bar wieder betrete zupfe ich ihn zurecht.

Selbstbewusst trete ich hinaus.
Duke Ellington läuft.
Ich drücke mich durch die reichhaltige Besucherschar.
Die Bar ist gut gefüllt. Alle Gesellschaftsschichten sind vertreten, Manager, Arbeitslose, Junge und Alte, ledige und verheiratete, mit oder ohne ihren Partner interessiert hier keinen.
Die Stimmung ist gut, ausgelassen.
Jeder amüsiert sich, erlebt seinen persönlichen Kick und lebt als ob es kein Morgen mehr geben wird.
Eine überaus ansehnliche schwarzhaarige Bedienung, oben ohne, kommt mir mit einem Tablett, auf dem unter anderem gut gefüllte Gläser mit Jacky-Cola stehen, entgegen.
… Ja hier werden wirklich alle Wünsche erfüllt und das umsonst.
Ehrlicherweise sollte man sagen, es war nur fast umsonst.
In meinen Gedanken erklingen die Worte des Türstehers von neuem.
„Wer neu ist muss spielen.“

Es kostete uns alle nur ein Pokerspiel mit dem Inhaber.
Im besten Fall gewann man und der Abend ging auf Kosten des Hauses.
Im andern Fall hatte man bis zum Ende des Lebens alles umsonst, jeder Wunsch, jeder Traum wurde in dieser kleinen Bar erfüllt.
Und genau lag der haken, hatte man erst einmal frei Haus, hatte man in er Regel mehr verloren als einem lieb war und die Rechnung wurde nach dem Tod beglichen...
Ich greife mir ein Glas vom Tablett der Bedienung im vorübergehen und drehe meinen Kopf leicht nach hinten, beobachte die Bedienung wie sie in Halterlosen, Highheels und String bekleidet zu einer der Logen in der Wand geht um ihre Bestellung abzuliefern.
Ein Mann im grauen Anzug, der in der Loge sitzt, zieht sie direkt auf seinen Schoß.
Dann zieht er den Vorhang zu.
Wünsche und auch Bestellungen sind hier sehr unterschiedlich.
Und mein Wunsch?
Nun mein Wunsch besteht in einem Pokerspiel mit dem Inhaber, und darin das Spiel zu gewinnen.
Um mir etwas zurück zuholen das ich hier verloren habe.


Fortsetzung folgt..


13.3.11 14:17
 
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